Gemeindekonzeption – nur ein Stück Papier?


(Sie können den ganzen Text im PDF-Format herunterladen.)


Was uns trägt

Ein Haus der lebendigen Steine -
Ein biblisches Bild für unseren Auftrag als evangelische Heiland-Kirchengemeinde



„Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1.Kor.3,11)

„Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause.“ (1.Petr.2, 5a)

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.“ (Eph.2, 19-22)

Das Wort Gottes, wie es uns in der Heiligen Schrift bezeugt ist, ist Ursprung und Kern unseres Glaubens. Orientierung am Ursprung und Kern des Glaubens geschieht in der Heilandkirchengemeinde überall dort, wo Menschen das Wort Gottes einander sagen, hören und danach leben.

Als Gemeinde Gottes ist die Heilandkirchengemeinde ein Haus der lebendigen Steine des Glaubens. Was Gott in Jesus Christus für uns getan hat, ist Grund unseres Glaubens und das Fundament unserer Gemeinde. Jesus Christus ist der Eckstein, der unser Leben trägt, der das Haus der Gemeinde als lebendiges Wort Gottes zusammenfügt. Jesu Wort von Gottes Liebe zu den Menschen ermöglicht es uns, uns selbst und unsere Nächsten anzunehmen. So können auch wir als Gläubige zu „lebendigen Steinen“ werden und schon jetzt am Reich Gottes mitbauen.

Wir wissen: Nicht wir bauen Gemeinde, sondern Gottes Geist tut es. Gott lädt uns ein in sein Haus. Wir sehen uns nicht als Erschaffer, wir sind nicht die Baumeister. Doch wir tragen Verantwortung, nicht zu versteinern, sondern lebendig zu bleiben im Glauben. (April 2004)

Wer wir sind


Geschichte der Heiland-Kirchengemeinde

Seit 1949 bildet der Godesberger Süden (einschl. „Drachenfelser Ländchen“) einen Pfarrbezirk, seit 1961 eine eigene Kirchengemeinde. Die Kirche in der Domhofstraße existiert seit 1955 (seit 1960 unter dem Namen „Heilandkirche“), das Gemeindezentrum seit 1981. Im Jahre 1996 wurde die eigenständige Ev. KG Wachtberg gebildet, seitdem umfasst das Gemeindegebiet der Heilandkirche die Bezirke Mehlem und Lannesdorf (ohne das südliche Pennenfeld) sowie den Bereich Meisengarten.

In den 50er Jahren ist die Bevölkerung und vor allem der evangelische Bevölkerungsteil im Godesberger Süden durch den Ausbau der Bundeshauptstadt Bonn stark gewachsen. 1961 betrug der Anteil der Protestanten mehr als 40 %. Seit 1970 ist die Einwohnerzahl Godesbergs stabil geblieben, die Zahl der evangelischen Einwohner hingegen ist erheblich zurückgegangen, ihr Anteil liegt heute im Bereich der Heilandkirche bei rund 22 %. Vor allem in Lannesdorf und im östlichen Teil von Mehlem (Rheinaue) gibt es Quartiere mit sehr hohen Anteilen von Ausländern vor allem aus muslimischen Ländern.


Die Gemeindeglieder

Zwei Tendenzen kennzeichnen die Entwicklung der evangelischen Gemeindeglieder in den letzten Jahren:
Der kontinuierliche Rückgang: Jedes Jahr verliert die Heilandgemeinde etwa 70 bis 80 Mitglieder, und zwar vor allem weil mehr Menschen sterben als durch Taufe hinzukommen, in zweiter Linie durch Wegzüge aus bestimmten Straßenzügen mit starkem Zuzug von Ausländern, in dritter Linie durch Austritte;
eine zunehmende Überalterung: Von den evangelischen Einwohnern in Mehlem und Lannesdorf ist jeder dritte über 65 Jahre alt, von allen Einwohnern nur jeder fünfte.

Beide Tendenzen werden weitergehen: der Anteil der Protestanten wird sich alle zwei Jahre um einen Prozentpunkt verringern; und der Anteil der Senioren und – in den nächsten 10 bis 20 Jahren – der „Hochbetagten“ wird kräftig ansteigen. Diese Prozesse werden im Gemeindealltag noch deutlicher zu spüren sein: in den Gottesdiensten und in vielen Gemeindekreisen liegt der Seniorenanteil schon heute bei zwei Dritteln oder darüber.


Die Institution Kirche

Seit Januar 2007 gibt es in der Heiland-Kirchengemeinde nur noch eine volle Pfarrstelle sowie drei Prädikanten. Während früher die drei bzw. vier Pfarrbezirke auf Selbständigkeit bedacht waren, sind die nunmehr zwei Bezirke in den letzen Jahren immer stärker zusammen gewachsen.

Die dauerhaften und umfangreichen gemeindlichen Aufgaben und Verpflichtungen werden von zur Zeit 16 hauptamtlichen Kräften wahrgenommen. Vollzeit-Stellen existieren für Küster, Jugendleiter, Kindergartenleiterin und mehrere Erzieherinnen. Das verweist auf die große Bedeutung der Kinder- und Jugendarbeit. Die kirchenmusikalischen Aktivitäten werden vom hauptamtlichen Kantor und einer Kirchenmusikerin für die Heiland-KG und die KG Wachtberg gemeinsam betrieben. Die Gemeindebücherei als ständiges Angebot wird ausschließlich von ehrenamtlichen Kräften betreut.

Ohne ehrenamtliche Mitarbeit kann eine Gemeinde ihre spirituellen, sozialen und diakonischen Aufgaben nicht erfüllen. In der Heiland-Kirchengemeinde ist ungefähr jedes zehnte Gemeindeglied in irgendeiner Form – und oft in mehreren Funktionen – ehrenamtlich tätig. Mit diesem Wert liegt unsere Gemeinde weit über den Beteiligungsraten anderer Gemeinden, vor allem bei der Jugendarbeit und der Betreuung von Gesprächskreisen. Die „Ressource Ehrenamt“ muss bei künftig rückläufigen personellen und materiellen Ressourcen gehalten oder ausgebaut werden.

Vertreter der Heiland-Kirchengemeinde wirken in vielen übergemeindlichen Gremien und Institutionen mit. Mit anderen Godesberger Gemeinden gibt es relativ wenig Austausch und Zusammenarbeit, zu Wachtberg sind die Kontakte aus räumlichen und historischen Gründen ziemlich eng. Die ökumenische Zusammenarbeit läuft in eher bescheidenem Rahmen.

Über den zehn Mal im Jahr erscheinenden und an alle Haushalte verteilten Gemeindebrief, durch häufige Presseberichterstattung sowie drei Schaukästen sind die Gemeindeglieder und die breitere Öffentlichkeit über das Geschehen rund um die Heilandkirche gut unterrichtet. Immer noch und immer wieder ist allerdings die Klage zu hören, dass die Information über andere Godesberger Gemeinden zu kurz kommt.


Das Gemeindeleben

Neben den sonntäglichen Gottesdiensten und den dazu parallelen Kindergottesdiensten gibt es weitere Formen von Verkündigung, Gebet und kirchlicher Belehrung: jeden Freitagabend eine kürzere meditative Andacht (mit 6 – 12 TeilnehmerInnen) sowie einmal im Monat einen Familiengottesdienst im Gemeindezentrum (mit 30 – 50 TeilnehmerInnen, darunter auch kleine Kinder), für den zur Zeit neue Formen erprobt werden. Ferner werden von PredigerInnen der Heilandkirche Gottesdienste bzw. Andachten im Haus Steinbach (einmal im Monat) sowie im Stoltenhoff-Haus und Haus der Frauenhilfe (rund zweimal im Monat) gehalten.

Die Tatsache, dass es nur eine Predigtstätte mit mehreren PredigerInnen gibt, trägt mit zu einem regen Gottesdienstbesuch bei. An einem normalen Sonntag finden sich zwischen 60 bis 100 Besuchern in der Heilandkirche ein, bei besonderen Anlässen (Taufen, Tagungsgruppen vom Haus der Frauenhilfe u.a.) ist die Kirche mit 180 Personen voll besetzt; die größten Zahlen sind bei Konfirmationen (knapp 500), an Ostern (rund 600) und am Heiligen Abend (insgesamt 1450 Personen) zu verzeichnen.

Die kirchlichen „Amtshandlungen“ bei biographischen Einschnitten haben an Bedeutung nicht verloren. Zwar nimmt längerfristig die Zahl der Taufen ab, die der kirchlichen Bestattungen zu, weil es in unserer Gemeinde immer weniger Kinder und mehr Hochbetagte gibt. Im Schnitt der letzten Jahre hat es jedoch in der Heilandkirche ziemlich konstante Größenordnungen bei Taufen (30), Konfirmationen (35), Trauungen (8) und Bestattungen (65) gegeben.

Das Angebot der Gemeinde für Kinder und Jugendliche in den Altersgruppen zwischen 1 und 18 Jahren ist äußerst vielfältig. In der „Jugendetage“ des Gemeindezentrums treffen sich etwa zehn unterschiedliche Gruppen mit insgesamt rund 200 Teilnehmern, um zu spielen oder zu lernen. Der Beitrag der Jugendarbeit zur Integration ausländischer Kinder ist hoch zu veranschlagen. Bei den Heranwachsenden, die früher regelmäßig zu einer „Offenen Tür“ unterhalb des Kindergartens zusammenkamen, haben sich in letzter Zeit Probleme ergeben.

Viele diakonische Leistungen für Menschen in Notlagen werden von Einrichtungen des Diakonischen Werks professionell erbracht, das die Heiland-Kirchengemeinde finanziell mitträgt. „Diakonische Aufgaben in der Gemeinde“ (im weitesten Sinne) werden durch jährliche Sammlungen und zahlreiche Kollekten von den Gemeindegliedern unterstützt. Erhebliche Geld- und Sachspenden und ungezählte Stunden ehrenamtlicher Mitwirkung kommen Straßenkindern und Krankenhaus in Kaliningrad zu. Daneben darf das Engagement vor Ort zahlreicher Personen für alte, kranke, pflegebedürftige, benachteiligte Menschen im Rahmen von Besuchsdiensten und vielen stillschweigenden einzelnen Hilfeleistungen nicht übersehen werden.

Gemeinde und Gemeindezentrum bieten Raum für viele und vielfältige Aktivitäten und Gruppen. Insgesamt mehr als 400 Personen beteiligen sich an den rund 15 unterschiedlichen Veranstaltungen für Erwachsene aller Alters- und Interessenlagen. Vielfach reicht der Einzugsbereich über die Gemeindegrenzen hinaus. Fast überall bilden die Senioren und die Frauen klare Mehrheiten. Von den festen Gesprächskreisen (mit insgesamt etwa 120 Mitgliedern) existieren etliche schon sehr lange Zeit. Für Angehörige der mittleren Generation wird – anders als früher – wenig geboten. Auch gibt es zur Zeit in der Gemeinde kein offenes Forum für allgemeine theologische oder weltanschauliche Fragen.

Schließlich gibt es sporadische Veranstaltungen, zu denen eine größere Öffentlichkeit eingeladen ist, bei denen sich die Gemeinde nach außen präsentiert und die Gelegenheit zum Treffen zwischen den Generationen und Interessenlagen bieten. Dazu gehören vor allem die Gemeindefeste (in den 80er und 90er Jahren in der Regel jeden Herbst, seitdem weniger häufig) sowie der alljährliche große Adventsbasar. Besonderen Stellenwert haben musikalische Darbietungen auf hohem Niveau und mit großer Bandbreite, von wiederentdeckten Telemann-Passionen bis zur stimmungsvollen „Musik an der Krippe“. Die Krippe selbst ist seit langem zum Anziehungspunkt für viele Besucher von weit her geworden.

Aus den Beobachtungen und Erhebungen lassen sich abschließend einige Kennziffern zur Beteiligung am Gemeindeleben resümieren, aus denen sich die Reichweite der Angebote erkennen lässt. (Mehrfachnennungen und Überschneidungen zwischen den folgenden Nachfragesegmenten werden dabei nicht eliminiert.)
Der „harte Kern“ der hauptamtlichen Mitarbeiter und PresbyterInnen umfasst rund 30 Personen.
An der ehrenamtlichen Mitarbeit sind rund 310 Gemeindeglieder beteiligt. Zum Gottesdienst an einem normalen Sonntag kommen durchschnittlich 100, am Heiligen Abend insgesamt 1450 Besucher. Zur Gruppe der „regelmäßigen Kirchgänger“ (d.h. jedenfalls einmal im Monat) sind ca. 250 Personen zu zählen.
Über Taufen und Konfirmation werden im Jahr zusammen ungefähr 100 Eltern erreicht.
Rund 160 Kinder und Jugendliche nehmen die verschiedenen Angebote im Gemeindezentrum wahr.
Etwa 130 Personen nehmen mehr oder weniger regelmäßig an Gesprächskreisen, weitere 150 an anderen Aktivitäten teil.
An der letzten Presbyteriumswahl haben sich 430 Gemeindeglieder beteiligt. Insgesamt gibt es im Bereich der Heilandkirche zur Zeit 3260 Gemeindeglieder.

Was uns zukünftig wichtig ist


Aus den Visionen einer idealen Gemeinde und der Analyse des tatsächlichen Zustandes Konsequenzen zu ziehen für die weitere Gemeindearbeit ist die nächste wichtige Aufgabe. Die Zielsetzung beschreibt den Soll-Zustand unserer Gemeinde. Mit diesen Zielen werden Vorstellungen beschrieben, wohin und wie sich die Gemeinde vor dem Hintergrund ihres biblischen Auftrages zukünftig entwickeln soll. Um die gesetzten Ziele auch realisieren zu können, entspricht ihre Formulierung folgenden Kriterien: sie sollen konkret sein und überprüfbar, zeitlich gegliedert und erreichbar, zukunftsfähig, positiv formuliert und von der Gemeinde akzeptiert.

Solche Ziele und Umsetzungsideen zu formulieren war Schwerpunkt eines Mitarbeiterwochenendes im September 2004. Die Ergebnisse wurden auf der Gemeindeversammlung im Dezember 2004 präsentiert, diskutiert und mit großer Zustimmung angenommen.

Heilandkirche zu Bonn - Mehlem
Domhofstraße 49