Gemeindekonzeption – nur ein Stück Papier?
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Was uns trägt
Ein Haus der lebendigen Steine -
Ein biblisches Bild für unseren Auftrag als evangelische Heiland-Kirchengemeinde
„Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist
Jesus Christus.“ (1.Kor.3,11)
„Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause.“ (1.Petr.2, 5a)
„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der
Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und
Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau
ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn
werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.“ (Eph.2, 19-22)
Das Wort Gottes, wie es uns in der Heiligen Schrift bezeugt ist, ist
Ursprung und Kern unseres Glaubens. Orientierung am Ursprung und Kern des
Glaubens geschieht in der Heilandkirchengemeinde überall dort, wo Menschen
das Wort Gottes einander sagen, hören und danach leben.
Als Gemeinde Gottes ist die Heilandkirchengemeinde ein Haus der lebendigen
Steine des Glaubens. Was Gott in Jesus Christus für uns getan hat, ist Grund
unseres Glaubens und das Fundament unserer Gemeinde. Jesus Christus ist der
Eckstein, der unser Leben trägt, der das Haus der Gemeinde als lebendiges
Wort Gottes zusammenfügt. Jesu Wort von Gottes Liebe zu den Menschen
ermöglicht es uns, uns selbst und unsere Nächsten anzunehmen. So können auch
wir als Gläubige zu „lebendigen Steinen“ werden und schon jetzt am Reich
Gottes mitbauen.
- Ein Haus der lebendigen Steine ist ein Ort des Glaubens. Hier feiern wir
Gottesdienste in vielfältiger Form und hier finden Menschen Hilfe zum Leben.
Als lebendige Steine können wir unsere Gemeinde mitgestalten, in ihr wohnen
und glauben und auf den Grund, der in Jesus Christus gelegt ist, vertrauen.
- Ein Haus der lebendigen Steine schafft Raum für Begegnungen. Hier können wir
einander wahrnehmen und kennenlernen, aneinander denken, uns miteinander
freuen, füreinander da sein und beten.
- Ein Haus der lebendigen Steine baut Hilfen auf für Menschen, die Not leiden.
Wir können tragende und stützende Mauern sein, weil wir selbst von Gott
getragen und gestützt werden. Wir können aber auch um Hilfe bitten und sie
annehmen, denn einander zu tragen heißt auch, Lasten miteinander zu tragen
und zu teilen – niemand muss alleine alles tragen.
- Ein Haus der lebendigen Steine ist ein offenes Haus für Menschen, die
vereinzelt und zerstreut, erstarrt und versteinert sind. Wir wollen
Gemeinde bauen als ein offenes Haus mit vielen Türen zum Hineinkommen und
Fenstern zum Hinausblicken; wir wollen uns nicht verschließen, sondern alle
einladen, mit uns Gottes Hausgenossen zu sein.
- Ein Haus der lebendige Steine ist zwar ohne den Einzelnen nicht denkbar,
wird aber erst Gemeinde durch das gemeinsame Leben im Reden und Tun. Als
Christen verstehen wir uns als Teil dieser Gemeinschaft. Alle haben ihren
Platz in Gottes Wohnung, alle in ihrer Einzigartigkeit. So wie kein Stein
einem anderen gleicht, so vielfältig sind unsere Gaben und Bedürfnisse.
- Ein Haus der lebendigen Steine ist ein Haus erbaut durch Gottes Geist.
Gelegentlich gleicht unsere Gemeinde einer Baustelle. An verschiedenen Orten
wird umgebaut, verändert, erweitert. Wir wollen Altes bewahren und Neues
integrieren. Wir brauchen die Steine, die vor uns eingebaut wurden, sonst
fehlt uns der Halt und die Erfahrung im Bau; wir wollen aber auch neue
Steine dazugewinnen, um zu wachsen.
Wir wissen: Nicht wir bauen Gemeinde, sondern Gottes Geist tut es. Gott lädt
uns ein in sein Haus. Wir sehen uns nicht als Erschaffer, wir sind nicht die
Baumeister. Doch wir tragen Verantwortung, nicht zu versteinern, sondern
lebendig zu bleiben im Glauben. (April 2004)
Wer wir sind
Geschichte der Heiland-Kirchengemeinde
Seit 1949 bildet der Godesberger Süden (einschl. „Drachenfelser Ländchen“)
einen Pfarrbezirk, seit 1961 eine eigene Kirchengemeinde. Die Kirche in der
Domhofstraße existiert seit 1955 (seit 1960 unter dem Namen
„Heilandkirche“), das Gemeindezentrum seit 1981. Im Jahre 1996 wurde die
eigenständige Ev. KG Wachtberg gebildet, seitdem umfasst das Gemeindegebiet
der Heilandkirche die Bezirke Mehlem und Lannesdorf (ohne das südliche
Pennenfeld) sowie den Bereich Meisengarten.
In den 50er Jahren ist die Bevölkerung und vor allem der evangelische
Bevölkerungsteil im Godesberger Süden durch den Ausbau der Bundeshauptstadt
Bonn stark gewachsen. 1961 betrug der Anteil der Protestanten mehr als 40 %.
Seit 1970 ist die Einwohnerzahl Godesbergs stabil geblieben, die Zahl der
evangelischen Einwohner hingegen ist erheblich zurückgegangen, ihr Anteil
liegt heute im Bereich der Heilandkirche bei rund 22 %. Vor allem in
Lannesdorf und im östlichen Teil von Mehlem (Rheinaue) gibt es Quartiere mit
sehr hohen Anteilen von Ausländern vor allem aus muslimischen Ländern.
Die Gemeindeglieder
Zwei Tendenzen kennzeichnen die Entwicklung der evangelischen
Gemeindeglieder in den letzten Jahren:
Der kontinuierliche Rückgang: Jedes Jahr verliert die Heilandgemeinde etwa
70 bis 80 Mitglieder, und zwar vor allem weil mehr Menschen sterben als
durch Taufe hinzukommen, in zweiter Linie durch Wegzüge aus bestimmten
Straßenzügen mit starkem Zuzug von Ausländern, in dritter Linie durch
Austritte;
eine zunehmende Überalterung: Von den evangelischen Einwohnern in Mehlem und
Lannesdorf ist jeder dritte über 65 Jahre alt, von allen Einwohnern nur
jeder fünfte.
Beide Tendenzen werden weitergehen: der Anteil der Protestanten wird sich
alle zwei Jahre um einen Prozentpunkt verringern; und der Anteil der
Senioren und – in den nächsten 10 bis 20 Jahren – der „Hochbetagten“ wird
kräftig ansteigen. Diese Prozesse werden im Gemeindealltag noch deutlicher
zu spüren sein: in den Gottesdiensten und in vielen Gemeindekreisen liegt
der Seniorenanteil schon heute bei zwei Dritteln oder darüber.
Die Institution Kirche
Seit Januar 2007 gibt es in der Heiland-Kirchengemeinde nur noch eine volle
Pfarrstelle sowie drei Prädikanten. Während früher die drei bzw. vier Pfarrbezirke auf Selbständigkeit
bedacht waren, sind die nunmehr zwei Bezirke in den letzen Jahren immer
stärker zusammen gewachsen.
Die dauerhaften und umfangreichen gemeindlichen Aufgaben und Verpflichtungen
werden von zur Zeit 16 hauptamtlichen Kräften wahrgenommen. Vollzeit-Stellen
existieren für Küster, Jugendleiter, Kindergartenleiterin und mehrere
Erzieherinnen. Das verweist auf die große Bedeutung der Kinder- und
Jugendarbeit. Die kirchenmusikalischen Aktivitäten werden vom hauptamtlichen
Kantor und einer Kirchenmusikerin für die Heiland-KG und die KG Wachtberg
gemeinsam betrieben. Die Gemeindebücherei als ständiges Angebot wird
ausschließlich von ehrenamtlichen Kräften betreut.
Ohne ehrenamtliche Mitarbeit kann eine Gemeinde ihre spirituellen, sozialen
und diakonischen Aufgaben nicht erfüllen. In der Heiland-Kirchengemeinde ist
ungefähr jedes zehnte Gemeindeglied in irgendeiner Form – und oft in
mehreren Funktionen – ehrenamtlich tätig. Mit diesem Wert liegt unsere
Gemeinde weit über den Beteiligungsraten anderer Gemeinden, vor allem bei
der Jugendarbeit und der Betreuung von Gesprächskreisen. Die „Ressource
Ehrenamt“ muss bei künftig rückläufigen personellen und materiellen
Ressourcen gehalten oder ausgebaut werden.
Vertreter der Heiland-Kirchengemeinde wirken in vielen übergemeindlichen
Gremien und Institutionen mit. Mit anderen Godesberger Gemeinden gibt es
relativ wenig Austausch und Zusammenarbeit, zu Wachtberg sind die Kontakte
aus räumlichen und historischen Gründen ziemlich eng. Die ökumenische
Zusammenarbeit läuft in eher bescheidenem Rahmen.
Über den zehn Mal im Jahr erscheinenden und an alle Haushalte verteilten
Gemeindebrief, durch häufige Presseberichterstattung sowie drei Schaukästen
sind die Gemeindeglieder und die breitere Öffentlichkeit über das Geschehen
rund um die Heilandkirche gut unterrichtet. Immer noch und immer wieder ist
allerdings die Klage zu hören, dass die Information über andere Godesberger
Gemeinden zu kurz kommt.
Das Gemeindeleben
Neben den sonntäglichen Gottesdiensten und den dazu parallelen
Kindergottesdiensten gibt es weitere Formen von Verkündigung, Gebet und
kirchlicher Belehrung: jeden Freitagabend eine kürzere meditative Andacht
(mit 6 – 12 TeilnehmerInnen) sowie einmal im Monat einen
Familiengottesdienst im Gemeindezentrum (mit 30 – 50 TeilnehmerInnen,
darunter auch kleine Kinder), für den zur Zeit neue Formen erprobt werden.
Ferner werden von PredigerInnen der Heilandkirche Gottesdienste bzw.
Andachten im Haus Steinbach (einmal im Monat) sowie im Stoltenhoff-Haus und
Haus der Frauenhilfe (rund zweimal im Monat) gehalten.
Die Tatsache, dass es nur eine Predigtstätte mit mehreren PredigerInnen
gibt, trägt mit zu einem regen Gottesdienstbesuch bei. An einem normalen
Sonntag finden sich zwischen 60 bis 100 Besuchern in der Heilandkirche ein,
bei besonderen Anlässen (Taufen, Tagungsgruppen vom Haus der Frauenhilfe
u.a.) ist die Kirche mit 180 Personen voll besetzt; die größten Zahlen sind
bei Konfirmationen (knapp 500), an Ostern (rund 600) und am Heiligen Abend
(insgesamt 1450 Personen) zu verzeichnen.
Die kirchlichen „Amtshandlungen“ bei biographischen Einschnitten haben an
Bedeutung nicht verloren. Zwar nimmt längerfristig die Zahl der Taufen ab,
die der kirchlichen Bestattungen zu, weil es in unserer Gemeinde immer
weniger Kinder und mehr Hochbetagte gibt. Im Schnitt der letzten Jahre hat
es jedoch in der Heilandkirche ziemlich konstante Größenordnungen bei Taufen
(30), Konfirmationen (35), Trauungen (8) und Bestattungen (65) gegeben.
Das Angebot der Gemeinde für Kinder und Jugendliche in den Altersgruppen
zwischen 1 und 18 Jahren ist äußerst vielfältig. In der „Jugendetage“ des
Gemeindezentrums treffen sich etwa zehn unterschiedliche Gruppen mit
insgesamt rund 200 Teilnehmern, um zu spielen oder zu lernen. Der Beitrag
der Jugendarbeit zur Integration ausländischer Kinder ist hoch zu
veranschlagen. Bei den Heranwachsenden, die früher regelmäßig zu einer
„Offenen Tür“ unterhalb des Kindergartens zusammenkamen, haben sich in
letzter Zeit Probleme ergeben.
Viele diakonische Leistungen für Menschen in Notlagen werden von
Einrichtungen des Diakonischen Werks professionell erbracht, das die
Heiland-Kirchengemeinde finanziell mitträgt. „Diakonische Aufgaben in der
Gemeinde“ (im weitesten Sinne) werden durch jährliche Sammlungen und
zahlreiche Kollekten von den Gemeindegliedern unterstützt. Erhebliche Geld-
und Sachspenden und ungezählte Stunden ehrenamtlicher Mitwirkung kommen
Straßenkindern und Krankenhaus in Kaliningrad zu. Daneben darf das
Engagement vor Ort zahlreicher Personen für alte, kranke, pflegebedürftige,
benachteiligte Menschen im Rahmen von Besuchsdiensten und vielen
stillschweigenden einzelnen Hilfeleistungen nicht übersehen werden.
Gemeinde und Gemeindezentrum bieten Raum für viele und vielfältige
Aktivitäten und Gruppen. Insgesamt mehr als 400 Personen beteiligen sich an
den rund 15 unterschiedlichen Veranstaltungen für Erwachsene aller Alters-
und Interessenlagen. Vielfach reicht der Einzugsbereich über die
Gemeindegrenzen hinaus. Fast überall bilden die Senioren und die Frauen
klare Mehrheiten. Von den festen Gesprächskreisen (mit insgesamt etwa 120
Mitgliedern) existieren etliche schon sehr lange Zeit. Für Angehörige der
mittleren Generation wird – anders als früher – wenig geboten. Auch gibt es
zur Zeit in der Gemeinde kein offenes Forum für allgemeine theologische oder
weltanschauliche Fragen.
Schließlich gibt es sporadische Veranstaltungen, zu denen eine größere
Öffentlichkeit eingeladen ist, bei denen sich die Gemeinde nach außen
präsentiert und die Gelegenheit zum Treffen zwischen den Generationen und
Interessenlagen bieten. Dazu gehören vor allem die Gemeindefeste (in den
80er und 90er Jahren in der Regel jeden Herbst, seitdem weniger häufig)
sowie der alljährliche große Adventsbasar. Besonderen Stellenwert haben
musikalische Darbietungen auf hohem Niveau und mit großer Bandbreite, von
wiederentdeckten Telemann-Passionen bis zur stimmungsvollen „Musik an der
Krippe“. Die Krippe selbst ist seit langem zum Anziehungspunkt für viele
Besucher von weit her geworden.
Aus den Beobachtungen und Erhebungen lassen sich abschließend einige
Kennziffern zur Beteiligung am Gemeindeleben resümieren, aus denen sich die
Reichweite der Angebote erkennen lässt. (Mehrfachnennungen und
Überschneidungen zwischen den folgenden Nachfragesegmenten werden dabei
nicht eliminiert.)
Der „harte Kern“ der hauptamtlichen Mitarbeiter und PresbyterInnen umfasst
rund 30 Personen.
An der ehrenamtlichen Mitarbeit sind rund 310 Gemeindeglieder beteiligt.
Zum Gottesdienst an einem normalen Sonntag kommen durchschnittlich 100, am
Heiligen Abend insgesamt 1450 Besucher. Zur Gruppe der „regelmäßigen
Kirchgänger“ (d.h. jedenfalls einmal im Monat) sind ca. 250 Personen zu
zählen.
Über Taufen und Konfirmation werden im Jahr zusammen ungefähr 100 Eltern
erreicht.
Rund 160 Kinder und Jugendliche nehmen die verschiedenen Angebote im
Gemeindezentrum wahr.
Etwa 130 Personen nehmen mehr oder weniger regelmäßig an Gesprächskreisen,
weitere 150 an anderen Aktivitäten teil.
An der letzten Presbyteriumswahl haben sich 430 Gemeindeglieder beteiligt.
Insgesamt gibt es im Bereich der Heilandkirche zur Zeit 3260 Gemeindeglieder.
Was uns zukünftig wichtig ist
Aus den Visionen einer idealen Gemeinde und der Analyse des tatsächlichen
Zustandes Konsequenzen zu ziehen für die weitere Gemeindearbeit ist die
nächste wichtige Aufgabe. Die Zielsetzung beschreibt den Soll-Zustand
unserer Gemeinde. Mit diesen Zielen werden Vorstellungen beschrieben, wohin
und wie sich die Gemeinde vor dem Hintergrund ihres biblischen Auftrages
zukünftig entwickeln soll. Um die gesetzten Ziele auch realisieren zu
können, entspricht ihre Formulierung folgenden Kriterien: sie sollen konkret
sein und überprüfbar, zeitlich gegliedert und erreichbar, zukunftsfähig,
positiv formuliert und von der Gemeinde akzeptiert.
Solche Ziele und Umsetzungsideen zu formulieren war Schwerpunkt eines
Mitarbeiterwochenendes im September 2004. Die Ergebnisse wurden auf der
Gemeindeversammlung im Dezember 2004 präsentiert, diskutiert und mit großer
Zustimmung angenommen.
- Wir wollen den geistlichen Kern der Gemeinde sichtbar machen und ihn
bewusst und selbstbewusst leben.
- Wir wollen die Botschaft des Glaubens an möglichst Viele
weitergeben.
- Wir wollen auf Menschen zugehen, die nicht kommen (können oder
wollen).
- Wir wollen die Vielfalt gottesdienstlicher Angebote fördern.
- Wir wollen die Generation der 25-45jährigen für das Gemeindeleben
aktivieren.
- Wir wollen Einfluss nehmen auf die gesellschaftliche Entwicklung am
Ort.
- Wir wollen besonderen Wert auf die Kommunikation und den Umgangsstil
legen.
- Wir wollen die aktiven Älteren für das Ehrenamt gewinnen.
- Wir wollen neue finanzielle Ressourcen erschließen und unsere Gebäude
und Finanzmittel effizient einsetzen.
- Wir wollen mit anderen Gemeinden zusammenarbeiten.
- Wir wollen die Kinder und Jugendlichen in das Gemeindeleben
integrieren.